roland dahinden | composer – performer
Christine Frisinghelli
„first the artist defines meaning/then the work takes place“ (Dan Graham)


Zuerst legt der Künstler Bedeutung fest, dann findet die Arbeit statt. Zuerst und danach: Am Anfang des kollaborativen Prozesses, aus dem die Installation collaboration, sound sculpture wall drawing resultiert, stand die Idee/das Konzept der beiden Künstler: Roland Dahinden und So LeWitt bezeichnen ihre gemeinsame Arbeit als collaboration. Zusammenarbeit, als Konzept gedacht, stellt den Raum zwischen den beiden Künstlern mit aus, macht den Prozess, die Abfolge der Schritte, die zur fertigen Arbeit führen, die Punkte, an denen konzeptuelle, inhaltliche und ästhetische Entscheidungen getroffen werden, (für den Betrachter/Hörer) zum Instrumentarium möglicher Annäherungen.

Für die Realiseirung von collaboration als sound sculpture wall drawing galt es, die Arbeitsgemeinschaft der beiden Künstler temporär auszuweiten: Eine Produktionsbasis war herzustellen; ein Raum, der mögliche Ort der Realisierung des Konzeptes, war zu finden. Diese beiden Faktoren: die technische Umsetzung und die räumlichen Gegebenheiten würden das Werk, seine physische und ästhetische Präsenz, entscheidend mitdefinieren. Der steirische herbst – als Festival selbst ein temporärer Produktionsort, als Institution in einem örtlichen, geographischen und künstlerischen Kontext stehend – konnte den beiden Künstlern als Operationsbasis dienen.

collaboration sollte eine Arbeit speziell für Graz werden: Roland Dahinden hatte hier Musik studiert, sound sculpture konnte mit dem Institut für elektronische Musik (iem) realisiert werden. Die Umsetzung des Konzeptes für wall drawing von Sol LeWitt sollte unter der Leitung von Zeichnern, nach den Instruktionen des Künstlers erfolgen: Damit steht collaboration in einem örtlich/geographischen Beziehungsfeld, das alle Personen einbinden sollte, die eine temporäre Produktionsgemeinschaft bilden.

Mögliche Räume: Für collaboration sollte ein Raum gefunden werden, der den Betrachter in die Lage versetzen kann, alle Gegebenheiten der Arbeit (sound sculpture und wall drawing) so wahrzunehmen, dass das Konzept und seine räumlich/akustische Umsetzung verstehbar werden. Alle Gegebenheiten sind für die Rezeption entscheidend, also sollten diese möglichst klar, ohne äußere Interventionen sichtbar werden. Aus möglichen Räumen unterschiedlicher architektonischer oder funktionaler Ausrichtung wurde der Raum Kuppelsaal im Landesmuseum Joanneum gewählt.

collaboration als Installation ist ein temporäres Kunstwerk, die Arbeit wird für den definierten Zeitraum der „Ausstellungsdauer“ hergestellt. Die zeitliche Begrenztheit ihres Bestehens ist eine ihrer wesentlichen Gegebenheiten.

Der Entstehungsprozess von wall drawing erfolgt in zwei Phasen. Der Künstler legt es zuerst sprachlich fest: in Form einer Definition, in der die Eigenschaften, die die zukünftige Zeichnung haben soll, festgelegt werden und die zugleich als beschreibender Titel funktioniert: A red spiral line on blue, Wall Drawing #832. In der nachfolgenden Phase des tatsächlichen Entstehens der Zeichnung wird diese Vorstellung mit üblichen zeichnerischen/malerischen Methoden realisiert. Die Zeichnung, üblicherweise als Skizze, in Vorbereitung des eigentlichen Werkes, eingesetzt, wird zu einer Art a-posteriori-Skizze, die erst entstehen kann, wenn die ihr zugrundliegende Idee ihre Form und ihren Inhalt in der Sprache gefunden hat. Sol LeWitt ordnet also die Ausführung eines Kunstwerks seiner Konzeption unter. Seinem Konzept folgend könnte demnach das wall drawing an jedem anderen Ort unter gleichen oder ähnlichen Gegebenheiten wiederholt werden.

In den Kuppelsaal, einen kreisrunden Raum von 10 m Höhe, abgeschlossen von einer flachen Kuppel, wurde ein Zylinder eingeschrieben, der den raumbezogenen wie werk-immanenten Verhältnisvorstellungen der Künstler entsprechen sollte. Das Konzept von Roland Dahinden, für die sound sculpture eine Zusammensetzung (Komposition) von fünf Tönen – PENTAS for 5 loundspeakers – denen fünf Lautsprecher zugeordnet sind, vorzunehmen, definierte den Durchmesser des Raumes von 5 Meter.

Die konzeptuellen Festlegungen der weiteren Schritte im Entstehungsprozess von collaboration (die als ästhetische und formale Gegebenheiten unsere Wahrnehmung leiten) ergaben sich aus der Beziehung dieser Entscheidungen zueinander und ihrer Auswirkungen im Raum selbst. Die Beschränkung des wall drawings auf zwei komplementäre Farben spiegelt sich in der Entscheidung des Komponisten, PENTAS auf zwei Klangfarben aufzubauen. Erst nach der Fertigstellung von PENTAS, wiederum auf die Klangfarben der Komposition reagierend, wurden die Farbwerte des wall drawing bestimmt.

PENTAS beinhaltet jedoch nicht nur die Sound-Installation innerhalb des Raumes, sondern öffnet mit der einmaligen Aufführung des Werkes PENTAS for piano, string4 and live electronic am Eröffnungstag der Ausstellung den Raum und kann sich als sound sculpture mit dieser „Exklave“ erst in der Wahrnehmung des Hörers vollständig bilden.

collaboration stellt einen örtlich, zeitlich, ästhetisch definierten Raum aus, dessen Masse, Volumen und dessen Positionierung im ihn umgebenden Kontext definierte Gegebenheiten sind. Die konzeptuellen und ästhetischen Schritte der beiden Künstler und das Verhältnis ihrer Beziehung zueinander in diesem Prozess bildet sich in ihren Entscheidungen mit ab.

Die Position des Betrachters in diesem Verhältnis drückt sich in Distanz zwischen ihr/ihm und den Begrenzungen des Raumes aus, in der Positionierung des Körpers im Raum und in der Bestimmung seines Ortes innerhalb eines gegebenen Verhältnisses.




Christine Frisinghelli
„first the artist defines meaning/then the work takes place“ (Dan Graham)


First the artist defines meaning, then the work takes place. First and then – the collaborative process from which the installation collaboration, sound sculpture wall drawing results was based on the idea/the concept of the two artists. Roland Dahinden and Sol LeWitt call their joint work collaboration. As a concept, collaboration also exhibits the space between the two artists and turns the process, the sequence of steps leading to the finished work, the points at which conceptual, thematic and aesthetic decisions are made, into instruments of possible approaches (for the viewer/listener).

In order to implement collaboration as a sound sculpture wall drawing, it was necessary to expand the teamwork of the two artists temporarily – a basis for production needed to be created; a space, the possible site of implementation of this concept, had to be found. Both factors, technical implementation and the spatial conditions, would be decisive in defining the work, its physical and aesthetic presence. steirischer herbst – as a festival being a temporary site of production itself, an institution within a local, geographical and artistic context – was able to act as basis of operation for the artists.

collaboration was to be a work specially designed for Graz. Roland Dahinden had studied music here and he would be able to carry out sound sculpture with the aid of the Institute of Electronic Music (iem). The concept of wall drawing by Sol LeWitt was to be implemented under the supervision of draftsmen, according to the artist’s instructions. In this way, collaboration is situated in a local/geographical field of relations aimed to integrate all those involved in establishing a temporary production team. Possible spaces: collaboration would need a space that could put the viewer in a position in which he would be able to perceive all aspects of the work (sound sculpture and wall drawing) in such a way as to understand the concept and its spatial/acoustic implementation. All aspects are crucial to reception of the overall work so it is necessary for them to be visible with as little outside intervention as possible. The Kuppelsaal, the domed hall of the Landesmuseum Joanneum was selected from a range of rooms with varying architectural and functional design.

As an installation, collaboration is a temporary artwork and is created for the set period of the “duration of the exhibition”. The limited time of its existence is one of the work’s essential underlying aspects.

The process of creation of wall drawing is two-stage. First, the artists specifies it in the form of a definition stating which features the drawing will have and functioning as a descriptive title – A red spiral line on blue, Wall Drawing #832. In the following phase of creation proper of the drawing, this conception is put into practice with customary graphic/painterly methods. The drawing, usually employed as a sketch in preparation of the final work, becomes a kind of a posteriori sketch which cannot manifest itself until the idea underlying it has found its own form and content in language. In this way So LeWitt evidently makes the execution of a work of art subordinate to its conceptualization. According to his concept, wall drawing could thus be repeated at any location under the same or similar conditions.

The Kuppelsaal, a circular room, 10 metres high, topped by a flat dome, was inscribed with a cylinder that was designed to correspond to the artists’ relational conceptions concerning the site and the work. Roland Dahinden’s concept of assembling (composing) five notes – PENTAS for 5 loudspeakers – for his sound sculpture, with five loudspeakers assigned to them, defined the size of the room as 5 meters in diameter.

The conceptual determinations of the further steps in the process of collaboration (guiding our perception as aesthetic and formal conditions), resulted from the relationship between these decisions and their impact of the room itself. The limitation of wall drawing to two complementary colours is reflected in the composer’s decision to base PENTAS on two tone colours. Only after completion of PENTAS, reacting in turn to the tone colours of the composition, were the colour values of the wall drawing decided on.

But PENTAS not only comprises the sound installation within the room, it also opens up the room with a one-time performance of the work PENTAS for piano, string4 and live electronic on the inauguration day of the exhibition and is only fully developed as a sound sculpture with this “exclave” when perceived by the listener.

collaboration exhibits a locally, temporally, aesthetically defined space whose dimensions, volume and position are conditions defined in its surrounding context. The conceptual and aesthetic steps taken by the two artists and their relationship to each other within this process are equally reflected in their decisions.

The position of the viewer in this relationship is expressed in the distance between him or her and the limitations of the room, in the positioning of the body in the room and in the definition of its location within a given relationship.

Stones liner note (En)

Flying White liner note (En)
Flying White liner note (De)

Silberen liner note (En)
Silberen liner note (De)
Silberen liner note (Fr)

Concept of Freedom liner note (En)

Naima liner note (En)

Im Hier und Jetzt - Seiltanz

Die Poesie der Möglichkeiten

Sound as a realm of experience.
On the work of composer Roland Dahinden (En)


Spuren im Klangraum; Die Signatur des Erhabenen bei Roland Dahinden

Essay von Thomas Meyer für "bleu de ciel" von Inge Dick

Aus dem Möglichen Schöpfen

Nuancen im Weissen

first the artist defines meaning/then the work takes place (De, Eng)

Collaboration/Zusammenspiel (De, Eng)